Samstag, 6. August 2011

Nicht, dass wir uns falsch verstehen: "Super 8" ist ein toller Film!

Gesehen am Donnerstag im Cinedom mit einem begeisterten, einem sehr zufriedenen und einem kritischen Freund.


Jeder Frame von J.J. Abrams „Super 8“ überquillt vor Leidenschaft. Vor Leidenschaft am Filmemachen, vor Leidenschaft am Abenteuer, vor Leidenschaft am Kindsein und vor Leidenschaft an den frühen Spielberg-Filmen. Das wurde schon in einigen Kritiken gesagt – und es stimmt. „Super 8“ fühlt sich tatsächlich wie ein Film aus der Zeit zwischen „E.T.“ und „Jäger des verlorenen Schatzes“ an.

Aber: Er fühlt sich nur so an. „Super 8“ ist kein Spielberg-Film sondern ein völlig eigenständiges Werk, das Spielberg wohl nie so gedreht hätte (auch wenn der Altmeister ihn produziert hat).
Die Story dreht sich um eine Bande Kinder, die mit ihrer Super 8-Kamera einen Film drehen wollen und dann auf ein gefährliches Alien treffen. Der Trailer des Films erzählt eigentlich alles über Handlung, was man wissen darf, ohne sich den Spaß komplett zu verderben. Daher will ich auf die Handlung gar nicht viel näher eingehen.



Die Kindertruppe, die auf ein unheimliches Geheimnis trifft, hat mich viel stärker an Figuren von Stephen King erinnert als an welche von Spielberg. „Super 8“ kann ebenso sehr als äußerst freie Interpretation von Kings „ES“ wie als eine Verbeugung vor „E.T.“ gesehen werden. (Was mich wieder daran erinnert, wie gerne ich einmal eine Stephen King-Verfilmung von Steven Spielberg sehen würde.)

Denn es gibt ein Element, das Abrams Film stark von Spielbergs Vorbild unterscheidet. Abrams würzt seine unschuldige Kinderstory mit spektakulären Aciotn- und sehr effektvollen B-Horror-Szenen, die aus Filmen von Tobe Hooper stammen könnten. Hoopers „Poltergeist“ war ja seinerzeit auch eine Spielberg-Story, die durch eine Geisterbahn gefahren wurde. Auf ähnlichen Pfaden bewegt sich hier auch J.J. Abrams, nur dass der die Spielberg‘sce Geschichte nicht nur durch eine Geisterbahn sondern gleich über einen ganzen Jahrmarkt schickt. Der jetzt schon legendäre spektakuläre Eisenbahncrash, der nach etwa 15 Filmminuten mitten in der 70er-Jahre-Idylle stattfindet und wie eine Szene aus einem Michael Bay Film wirkt, mutet da zunächst wie ein Störfaktor an. Bis dahin weckt „Super 8“ mit liebevoll ausgestalteten Kinderfiguren, in die man sich sofort verliebt, nostalgische Gefühle – und dann plötzlich dieser Eisenbahncrash, der aus einer anderen Zeit zu stammen scheint und der mehr Explosionen auslöst als eine ganze Staffel „Alarm für Cobra 11“. Ab hier wird man entweder aus dem Film herauskatapultiert oder man ist noch hingerissener von ihm.

Ich tendiere stark zum Hingerissensein. Die spektakulären Horror- und Action-Szenen, die jetzt immer wieder in die Handlung eingeflochten werden, geben dem Film den richtigen Schuss (Post-)Modernität und verhindern so, dass „Super 8“ zum reinen Nostalgie-Trip verkommt, der wie aus einer andere Zeit wirkt. Stattdessen spielt „Super 8“ in einer anderen Zeit, verneigt sich tief vor seinen Vorbildern, ist aber trotzdem ein sehr moderner und frischer Film, der immer wieder überrascht.

„Super 8“ ist – zumindest an vielen Stellen – zauberhaft. Die Figuren sind wunderbar ausgestaltet. Die Kinderdarsteller sind fantastisch. Gerade die 13-jährige Elle Fanning (Schwester von der ebenso brillanten Dakota Fanning, die ja leider fast immer nur nervige Mistgören spielen darf) ist als Love-Interest so großartig, das sie wohl jeden Erwachsenen daran erinnert, wie es sich angefühlt hat, zum ersten Mal verliebt zu sein. „Super 8“ ist ein großes herzerwärmendes Kinoabenteuer, an dem eigentlich jeder Freude haben muss, der früher gerne „Zurück in die Zukunft“, „Indiana Jones“ oder „Die Goonies“ angeschaut hat. Und da ich diese Filme früher (und zum Teil auch heute noch) zelebriert habe, ist „Super 8“ für mich (mit Abstrichen…) einer der besten Filme des Jahres. (Und wer den Film dann doch doof findet, weil ihn die Action- und Gruselszenen aus dem Film geworfen haben, der wird immerhin im Abspann mit einem unglaublich lustigen und charmanten Zombie-Film entschädigt.)

In der vorletzten Klammer (ja, in meinen Blogposts gibt es immer sehr viele Klammern. Ich lebe hier eine Leidenschaft für diese Satzzeichen aus, der ich im Leben da draußen weder in Drehbüchern noch in Zeitungsartikeln oder PR-Texten nachgehen kann) habe ich Abstriche angedeutet. Leider hat „Super 8“ gerade im letzten Drittel Schwächen, die das sehr große Vergnügen an dem Film ein wenig schmälern. Auf die kann ich allerdings nur in einem separaten Text eingehen, den man nur lesen darf, wenn man den Film bereits kennt. ALSO: Schaut euch alle „Super 8“ an und kommt nächste Woche wieder hier vorbei, dann erkläre ich in einem neuen Post, was ich meine.

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